Leobener Logistik Sommer 2019 – Digitale Zukunft neu denken!

Wenn großartige Speaker brisante Zukunftsthemen diskutieren und gemeinsam mit den Teilnehmern neue, generationenübergreifende Mindsets entwickeln, dann heißt es Bühne frei für den Leobener Logistik Sommer. Mehr als 300 Teilnehmer, über 60 Partner und Sponsoren, sieben ausgebuchte Workshops und ein tolles Innovators Clubbing – auch die 17. Auflage des Thinktank und Vordenkerevents konnte mit dem diesjährigen Motto „digital minds“ Schüler, Studenten, Startups und Unternehmen gleichermaßen begeistern.

Einen spannenden Auftakt aus philosophischer Sicht lieferte der norwegische Wirtschafts-philosoph und Bestsellerautor Anders Indset auf die Frage „Was kommt nach der Digitalisierung: „Wollen wir die sich verändernde Gesellschaft verstehen, müssen wir die Wirtschaft neu denken und eine Gesellschaft des Verstandes und der Vernunft gestalten! Alles muss wieder verwendbar sein. Wir brauchen und müssen neue Ansätze, neue Geschäftsmodelle und eine neue Form des Kapitalismus entwickeln!“ Wir müssen Technologien schaffen, die uns unterstützen. Allerdings fehlt ein Kompass und wir brauchen neue Perspektiven und Werte. Er sieht die junge Generation als Leaders of Change – als Gestalter der Zukunft. Deshalb soll das Selbstvertrauen der Jugend gestärkt und gefördert werden. Sein Appell an Jung und Alt im Audimax der Montanuniversität Leoben: „Nehmt euch Zeit zum Denken, hinterfragt eigenes Wissen, lernt, bleibt neugierig und interessiert ein Leben lang!“

Hypes sorgen für Furore
„Warum wollen wir eine Künstliche Intelligenz schaffen, die einen Menschen emuliert“, fragte Wilhelm Zugaj, Professor für Kryptographie und Datenbanktechnologien an der FH JOANNEUM in Kapfenberg. Das wichtigste sei, jedem Hype hinter die Kulissen zu blicken. Hohe Erwartungen wurden in sogenannte Chatbots gesetzt. A.L.I.C.E. war der erste Chatbot, der Konversationen mit einem Psychotherapeuten simulierte. Das Programm reagiert auf Buzzwords und liefert mehr oder weniger raffinierte, vorgefertigte Antworten. Ein Computerprogramm meisterte den Turing Test, indem es sich als 13-jähriger Junge ausgibt.
Gamebot Deep Mind gewinnt im März 2016 gegen Lee Sedol mit 4.0 im bekannten japanischen Spiel „Go“. Schachcomputer Deep Blue schlägt 1996 den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow. Neuronale Netzwerke ermöglichen ein Deep Learning. Sie können aber nur einen kleinen Aspekt der menschlichen Intelligenz emulieren. Stellt sich die Frage, ob es das Ziel sein soll, ein universelle Künstliche Intelligenz zu schaffen, die einen Menschen vollständig emuliert!

Es gibt keine Artificial Intelligence
Digitalisierung und IT – auf die Proportionen kommt es an: Robert Schweiger, Head of IT Management der voestalpine Metal Engineering Division, meinte, dass IT und Digitalisierung, zwei sich ergänzende Disziplinen nur dann funktionieren und den optimalen Mehrwert bringen, wenn sie in der richtigen Proportion – im Verhältnis des goldenen Schnittes –zueinanderstehen.

Seine Sicht auf den Begriff Artificial Intelligence: „Wir haben ein hübsches Synonym dafür kreiert – doch es gibt keine Künstliche Intelligenz. AI ist ein Kunstwort für Maschinen, die nach allen Regeln der Kunst „nachahmen“, aber keine soziale und emotionale Intelligenz entwickeln können“. Damit sei Artificial Intelligence ein Hype, der in 10 Jahren anders heißen wird – vielleicht ganz simpel Unterstützung durch Maschinen.

Monday for Education
Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Markus Tomaschitz, AVL List Vice President Corporate Human Resources, wirft einen Blick in zukünftige Arbeitswelten. Berufe werden kommen und gehen, neue werden entstehen. Einfache (Routine-)Tätigkeiten des Menschen werden durch Maschinen ersetzt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Unternehmen und Arbeitnehmer sich an den Wandel, an eine sehr lange Diffusion von Technologien, anpassen. Im Zeitrahmen von 1999 bis 2010 hat die Digitalisierung mehr Jobs geschaffen als verloren gegangen sind. „Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt werden nicht aus der Technik diktiert, sondern ergeben sich aus der Technikgestaltung und der Ausrichtung der Arbeits-organisation“, so Tomaschitz. Dabei geht es vor allem um die Zusammenarbeit und Interaktion von Mensch mit Maschine.

Komplexe Ökosysteme lösen lineare Wertschöpfungsketten ab, Arbeitsverhältnisse werden flexibler, traditionelle Organisationsstrukturen lösen sich auf, Arbeit als Bezeichnung eines Ortes verliert an Bedeutung und eine Vielzahl von Arbeitsstilen existiert parallel – mit diesen herausfordernden Kernthemen werden sich smarte Unternehmen der nächsten Generation auseinander setzen müssen. Heute ist die junge Generation bestens ausgebildet. Sie wollen mitreden, mehr Verantwortung und Freiheiten. Gesellschaft und Unternehmen müssen sich darüber Gedanken machen, was mit den weniger qualifizierten Mitarbeitern passiert. Ein Drahtseilakt wird es sein, den unterschiedlichen Generationsansprüchen gerecht zu werden. Bildungssysteme müssen sich an den steigenden Weiterbildungsbedarf anpassen, sollen Freude auf das Lehren und Lernen machen und individuelle Stärken fördern. „Wir brauchen nicht nur einen Friday for Future. Wir brauchen einen Monday for Education“, appellierte Tomaschitz.

Ethik 4.0: Wertefragen zur Digitalisierung
„Digitalisierung ist eine Verdichtung der Gesellschaft, was zu neuen, beschleunigten Möglichkeiten, Bedürfnissen, aber auch Problemen und Aufgabenfeldern führt“, fasst Harald Friedl von der FH Joanneum, Gesundheits- und Tourismusmanagement, zusammen. Technologie ist ein äußerst wirkungsvolles und mächtiges Instrument, das Gesellschaft und Wirtschaftssysteme durchdringt – mit häufig auch unerwünschten und gefährlichen Folgen. Besonders groß ist die Betroffenheit dann, wenn Menschen keinen Einfluss und keine Entscheidungsmöglichkeiten haben.

Neue Technologien sind Wachstumsmotoren, bieten neue Möglichkeiten, beschleunigen Entwicklungen, weiten Aktivitätsräume aus und bringen neue Sichtweisen, Meta-Bedürfnisse und -Trends sowie Chancen mit sich. Neue ethische Perspektiven mit neuen ethischen Kernfragen entstehen. Daraus folgt: Digitale Ethik muss Fragen nach möglichen und unerwünschten Folgen der Digitalisierung, nach sinnvollen und nötigen Grenzen einer technologischen Allmacht, stellen.

New Work? Reflexion, Rebellion, Revolution!
Abenteuer und Abwechslung anstatt Alltag: Leonie Müller, die wohl bekannteste Zugnomadin Deutschlands, hat die Bahn zu ihrem Hauptwohnsitz gemacht und ihre Wohnung gegen eine 4.000,- Euro- Bahncard getauscht. Ihre Erfahrungen hat sie im Buch „Tausche Wohnung gegen Bahncard“ beschrieben. Was bedeutet Mobilität für die Arbeitswelt? In ihrem mitreisenden Vortrag „New Work? Reflexion, Rebellion, Revolution!“ geht es darum Mobilität als Ansatz und Multilokalität als Lebensstil für neue Arbeitsstrukturen zu nutzen und alte Muster aufzubrechen, um die Generation Y besser zu verstehen, für Unternehmen gewinnen und binden zu können.

New Work, New Mobility – People, Places und Tools: Mobilität vernetzt, bewegt Menschen, Ideen, Daten und Güter. „Wir können mehr als nur einen Arbeitsort haben. Wir können Tools überall hin mitnehmen. Wie können Unternehmen die Wirkung von Räumen zur Motivation der Mitarbeiter nutzen? Wie wollen wir arbeiten? Besitz, Stabilität und Sicherheit sind Werte der Baby Boomer, für die Generation Y dreht sich alles um Freiheit, Flexibilität und Mut! Wir können leben und arbeiten, wo wir wollen. New Work und New Mobility bieten uns die Chance uns neu zu organisieren, Muster aufzubrechen, unseren Arbeitsalltag individueller und menschlicher zu gestalten. Wir müssen alles hinterfragen und anstatt Abhängigkeiten eine neue Verbundenheit entdecken“, so Leonie Müller.

Experten moderierten Workshops
In den sieben, vollständig ausgebuchten Workshops erarbeiteten und diskutierten die Teilnehmer am Leobener Logistik Sommer gemeinsam mit Experten spannende Themen und entwickelten neue Mind Settings, die sowohl für Unternehmen als auch für Schüler, Studierende und Startups interessant sind. Für die Ergebnispräsentation stand den Workshop-Teams die große Bühne des Leobener Logistik Sommers zur Verfügung.

digital minds and happiness – den Workshop leitete Eva Maria Schneider von POSCH. Warum posten wir persönlich, warum posten Unternehmen? Was sind die Vorteile, die Nachteile und die Auswirkungen von Social Media? Was macht uns glücklich und wie viel Zeit verbringen wir auf den Social Media-Plattformen? Nutzen Unternehmen Social Media um Image- und Bekanntheit des Unternehmens und ihrer Produkte zu steigern, Mitarbeiter zu finden und zu binden, sind es für uns persönlich Kommunikationsinstrumente und Boosters, um möglichst viele Likes, Shares und positive Reaktion zu generieren. Aber wie geht man mit negativen Kommentaren um? Wichtig ist herauszufinden, was einem gut tut. Das Resümee der Workshop-Gruppe: Man muss Bilanz ziehen und sich über die negativen, und die positiven Seiten von Social Media im Klaren sein. Unternehmen und auch Privatpersonen wollen durch die Breitenwirkung von Werbung und Content profitieren. Influencer wollen über viele Followers Sympathie und Einfluss erreichen, um dadurch Werbeeinschaltungen generieren zu können. Ein kritischer Effekt: Oberstes Ziel von Social Media ist es, Nutzer mit allen Mitteln zu halten, um eine attraktive Werbeplattform zu sein.

Die Workshop-Gruppe zum Thema digital minds and a feedback culture, moderiert von Harald Friedl, FH JOANNEUM, hat sich Gedanken gemacht, wie das optimale Feedback ausschauen kann. So sollen Bewertungen natürlich, sachlich, ehrlich, sinnvoll, konstruktiv sowie motivierend und auch respektvoll bei negativer Kritik sein. Leute die online bewerten, liken und disliken, sollen kompetent sein und sich erst gar nicht zu negativen Postings und Kommentaren verleiten lassen.

Die Teilnehmer des Workshops digital minds for a good cause mit Moderator Bernd Winter, Chefredakteur der Internationalen Wochenzeitung Verkehr, stellten ein digitales Projekt für einen sozialen Zweck auf. Ein Projekt, das nicht gewinnorientiert, aber kostendeckend sein soll. Diskutiert wurden bekannte Themen wie die Verschwendung von Lebensmitteln und die Müllvermeidung. Da sich beim Leobener Logistik Sommer jedoch einfach alles um die Zukunft dreht, und Jugendliche unsere Zukunft sind, wird eine digitales Mentoring Programm aus der Taufe gehoben, das Perspektiven aufzeigen soll und den jungen Leuten Gewinnertypen – aus Wirtschaft, Sport, etc. – zur Seite stellt. Via App und Website können sich die jungen Leute mit ihren Mentoren verbinden und austauschen. Vorerst solle das Projekt durch Spenden, später durch Werbung finanziert werden.

Nikolaus Holzapfel vom BG & BRG Lichtenfels führte durch den Workshop digital minds and ethics. Worum geht es bei Ethik? Bei den Diskussionen zeigten sich die unterschiedlichen Ansätze der Generationen. Für wichtig befunden wurde eine Selbstbestimmung durch Open Source, eine gegenseitige Transparenz, eine Balance zu finden zwischen digitaler Welt und Menschlichkeit. Werte behalten, Technologien und Szenarien verfolgen, abschätzen und ernst nehmen sowie das Bewusstsein schaffen, was ist wichtig, was brauchen wir und was nicht. Es gilt interessiert zu bleiben, Themen zu hinterfragen, Freiheiten nicht der Sicherheit wegen aufzugeben und keine Angst vor KI zu haben.

digital minds and the best careers of the future – der Workshop mit Markus Tomaschitz, AVL List, widmete sich dem Arbeitsleben der Zukunft. Wie können eine Work-Life-Balance, Lust und Laune auf Tun erreicht werden? Mitarbeiter wollen nicht wie Kinder behandelt werden. Sie möchten mitentschieden, Vertrauen, Selbstständigkeit und mehr Zeit für Kreativität und Innovationen haben. Der Job der Zukunft ist geprägt von lebenslangem Lernen, Wissensweitergabe und das Anpassen von Rollen an die individuellen Stärken der Mitarbeiter. Stabilität muss gewahrt bleiben. Für junge Leute wird es neue Berufe geben, Randgruppen müssen in den Arbeitsprozess integriert werden. Nicht allen Menschen stehen alle Möglichkeiten offen. Durch die Digitalisierung sind auch Schul- und Bildungssysteme gefordert den Wandel, die Veränderungen zu begleiten.

Die Workshop-Gruppe mit Peter Stelzer, ivii GmbH, erarbeitete Themenschwerpunkte zu digital minds and the workplace of the future. Der Bereich Gesundheit wurde in einem Zeitrahmen bis 2030 betrachtet: Eine effektive 30-Stunden-Woche ist möglich. Ergonomie, personalisierte Arbeitsplätze mit beispielsweise höhenverstellbaren Tischen, Arbeitsmittel wie Roboter und Assistenzsysteme unterstützen den Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit. Arbeitszeit und Work-Life-Balance: Arbeitgeber werden auf die persönlichen Bedürfnisse des Mitarbeiters eingehen. Einzelne Berufsgruppen, haben eigene Arbeitszeiten und die Entlohnung erfolgt nicht nach Zeit, sondern nach Leistung! Zufriedenheit und Homeoffice: Ein Homeoffice ist umweltfreundlich, doch wie erfolgt die Leistungsmessung, vor allem wenn es um schwer messbare intellektuelle Leistung geht? Themen sind auch räumliche Anforderungen, fehlendes Teamgefühl und Kommunikation. Auch hier hat sich bei den Diskussionen ein Generationenunterschied bemerkbar gemacht. Arbeiten im Homeoffice stellt für junge Leute kein Problem dar, Kommunikation erfolgt über diverse Social-Media-Kanäle und Foren, eher für die ältere Generation.

Claudia Aichhorn-Edler von PANTARHEI ADVISORS betrachtete mit Ihrer Gruppe den Arbeitsplatz der Zukunft aus der Design-Sicht mit den Themenblöcken Flexibilität, Infrastruktur und Unternehmenskultur. Die Gruppe hat die Ergebnisse visualisiert und Slow-Motion-Videos produziert. So bedeutet Flexibilität am Arbeitsplatz, arbeiten egal wo und wann. Altmodischer Arbeitsplatz versus Arbeitsplatz der Zukunft: Ist der alte Arbeitsplatz laut und heiß, verspricht der Arbeitsplatz der Zukunft ein modernes und unabhängiges Arbeiten – auch im Homeoffice. Zudem hat man die Freiheit und kann an einem Ort zusammenkommen, muss es aber nicht.

Wie kann künstliche Intelligenz dazu beitragen, den Alltag von Pflegebedürftigen und Pflegekräften zu verbessern? Im Workshop digtial minds and the intelligence behind care mit Philipp Hungerländer und Marissa Florian von HEX sowie Andreas Rehklau von M27 Fedas Management und Beratung, zeigte sich, dass vor allem junge Leute weniger Barrieren zur Robotik – Stichwort Pflegeroboter, Haustierroboter – haben. Sie wollen gesund altern und würden Tätigkeiten, wie eine sichere Medikamentendosierung, durch KI ersetzen. Auch Kühlschränke mit Sensorik oder Wearables wären kein Thema, um zu Hause bleiben und sich im Alter selbst versorgen zu können.

Young Innovators Award met Startup-Spritzer Erfahrungen austauschen und wertvolle Kontakte knüpfen: In Kooperation mit dem Ideentriebwerk Graz fand erstmals der Startup Spritzer im Rahmen des Leobener Logistik Sommers statt. Dabei blickten die Young Innovators 2018 – SkillXchange und Leftshift One – auf ein ereignisreiches und erfolgreiches letztes Jahr zurück und zwei neue Startups präsentierten ihre Innovationen.

LUXINERGY Geschäftsführer Matthias Edler will für einen Innovationsschub im 3D-Druck in der Orthopädietechnik sorgen: „Die Branche ist im Umbruch, aktuelle additive Fertigungsverfahren sind nicht ausgereift.“ LUXINERGY hat ein innovatives Material – ein Harzsystem auf Basis der Stereolithographie – zur Verarbeitung auf einem speziellen 3D-Drucker entwickelt und will bereits im nächsten Sommer am Markt sein.

Geschäftsführer Stefan Lendl von s2 data & algorithmus bietet mathematisches Consulting und Softwarelösungen für vielfältige Business Intelligence Anwendungen. Mathematische Optimierungen werden beispielsweise in der Disposition, in der robusten Bestandsplanung, im Supply Chain Management oder in der Datenanalyse eingesetzt. Lösungen, die gut erweiterbar und auch für KMU leistbar sind.

Beim Leobener Logistik Sommer 2020 wird wieder ein Young Innovators Award für Schüler, Studenten und Startups ausgeschrieben. In Kürze wird es möglich sein über logistik-sommer.at/award Lösungen, Innovationen und Ideen zum Motto des nächsten Logistik Sommers „digital evolution“ einzureichen.

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